1 Die HerausBildung

Die Rolle einer Lernbegleiterin im kinderinitiierten und materialgeleiteten freien Lernen unterscheidet sich grundlegend von der Rolle eines Lehrers im lehrerzentrierten traditionellen Unterricht. Daher liegt ein Schwerpunkt der HerausBildung zum/zur Lernbegleiter_in im Kennenlernen, Einüben, praktischen Anwenden und Reflektieren von nichtdirektiven und prozessbegleitenden Haltungen in der Beziehung mit Kindern. Ein weiterer Schwerpunkt ist die professionelle Handhabung der konkreten Materialien auf der Basis von Maria Montessori; wir sehen das materialgeleitete Arbeiten als bestmögliche Ausdrucksform nichtdirektiver Haltungen. Damit wird eine Basis dafür geschaffen, dass die Teilnehmer_innen sukzessive in der Lage sind, materialgeleitete Lernprozesse für Kinder anzubahnen, zu begleiten, zu dokumentieren und auszuwerten.

Es gibt zwei Möglichkeiten an den Seminaren der Akademie teilzunehmen:

  • als Teilnehmer_in der HerausBildung,
  • als Gasthörer_in für einzelne offene Module der HerausBildung

Die zweijährige HerausBildung setzt sich zusammen aus Präsenzzeiten in viertägigen Modulen und einwöchigem Intensiva, Praxiserfahrungen an verschiedenen Partnerschulen, selbstorganisierten Arbeitsgruppen und Literaturstudium. Diese Mischung mit ihrem lebendigen Wechsel von theoretischem Wissen, praktischer Erfahrung, innerem Erleben und (Selbst)Reflexionen ermöglicht ein hohes Maß an Selbststeuerung und Eigenverantwortlichkeit der Teilnehmer_innen und spiegelt damit die Auffassung von Lernen wider, um die es in dieser HerausBildung geht.

Die Module I bis XII bilden den Kern der HerausBildung für Lernbegleiter_innen und sind zertifiziert. In diesen Modulen treffen sich die Teilnehmer_innen des jeweiligen Jahrgangs als feste Gruppe.

Für alle Interessierten sind die mit * markierten Module offen für Gasthörer_innen und einzeln buchbar.

Leitfaden_2020 zum Herunterladen

Lernorte
Module am Stammplatz: Lernen von Innen. Die Akademie. Tempelhof 3 | 74594 Kreßberg
Intensiva:
Bildungshaus der Quellhof e.V. | Wanderstr. 18 | 74592 Kirchberg
Praktika und externe Module: Wir sind in enger Verbindung mit vielen alternativen
Schulen (Netzwerk Aktive Schulen u. v. a.) und stellen auf Anfrage den Kontakt zu geeigneten Kooperationsschulen her.

Inhaltliche Schwerpunkte

HALTUNG DER LERNBELEITER_INNEN

Eine zentrale Bedingung für das Ermöglichen von selbsttätigem und eigenverantwortlichem Lernen ist die nichtdirektive, wertschätzende Haltung der Erwachsenen gegenüber dem Kind. Sie ist nach Außen gekennzeichnet durch Respekt vor der Persönlichkeit des Kindes und Vertrauen in dessen immanente individuelle Entwicklungskräfte. Nach Innen ist sie gekennzeichnet durch kritische Selbstreflexion und  beobachtende Distanz des Erwachsenen. Diese Haltung zeigt sich durch:

• Wertschätzung gegenüber dem Kind
• Wahrnehmen der persönlichen und sozialen Verantwortung
• Nutzen der persönlichen Sprache
• Wissen um kränkende Formen von Gewalt und Manipulation
• Wissen um grundlegende Bedürfnisse von Kindern und Erwachsenen
• Selbst(wert)gefühl und Selbstvertrauen
• (Selbst)Führung und Authentizität
• Nichtdirektivität gegenüber dem Kind

BEZIEHUNGSKOMPETENZEN

Die Lernbegleiter_innen sind für die Qualität der Beziehung zwischen ihnen als Erwachsene und den Kindern verantwortlich. Diese  Beziehungskompetenz beeinflusst die Entwicklung der Kinder maßgeblich und zeigt sich durch:

• gleichwürdige Beziehungen
• Verantwortlichkeit der Lernbegleiter_innen
• in Beziehung sein mit sich, mit Kindern, mit dem Team und mit Eltern
• Gesprächskompetenzen und Elternarbeit
• Konfliktfähigkeit und -begleitung
• spürbare Präsenz für sich selbst, sein Gegenüber und die Gruppe
• Integrität und Kooperation
• Aggression als vitaler Teil meiner selbst
• Wahrnehmung und Wahrung persönlicher Grenzen bei sich selbst und anderen

MATERIALARBEIT

In der Auseinandersetzung mit Montessori-Materialien findet die nichtdirektive Haltung der Lernbegleiter_innen ihren Ausdruck.

• konkrete Auseinandersetzung mit dem Material Maria Montessoris
• systematisches und umfassendes Kennenlernen des Montessori Materials exemplarisch für die Lehrplanfächer Deutsch und Mathematik in der Primarstufe sowie Teilbereiche der Sekundarstufe I
• professionelle Handhabung im konkreten Tun
• Gestaltung und Pflege der vorbereiteten Umgebung
• Verständnis für Material im weit über Montessori hinausgehendem Maße
• Erstellung eigener Materialien
• Begleitung schulfremder Themen (Medien, Computer, Manipulation, Open Source, Wikipedia)
• Visualisierungsmethoden

SCHULPRAKTISCHE UMSETZUNG

Die grundlegende Haltung der Erwachsenen und deren Auffassung von kindlicher Entwicklung und Lernen von Innen findet täglich ihren konkreten Ausdruck im Schulalltag.
Grundlegende Prinzipien im Schulalltag:

• Freiarbeit
• Freiwilligkeit und Verbindlichkeit
• Altersmischung
• Beobachtung und Dokumentation durch die Lernbegleiter_innen
• freies Spiel und freies Lernen
Orientierung im Schulalltag:
• entspannte vorbereitete Umgebung
• zeitliche Tagesstruktur
• Morgenkreis und Vollversammlung
• Werkstätten
• Kurse und Projekte
• außerschulische Lernorte
• Regeln und Grenzen

SELBSTERFAHRUNG

Erst der Blick auf die eigene (Lern-) Biografie eröffnet das Verständnis für die persönlichen Haltungen, Reaktionen und Beziehungen in der Begleitung von Kindern.

• Kennenlernen von persönlichen Glaubenssätzen und deren Auswirkungen auf den Umgang mit sich selbst, Kindern, Kolleg_innen und Eltern (unter anderem mit Biografiearbeit , Arbeit mit inneren Anteilen, The Work of Byron Katie)

THEORIE

Die Auffassung von Lernen als einem von innen gesteuerten Prozess formt im Lernbegleiter eine Haltung, die sich in einer von Gleichwürdigkeit und Achtsamkeit getragenen Beziehung ausdrückt.

• das reformerische Wirken von z.B. Montessori, Wild, Pestalozzi, Pikler, Freinet, Vester, Maturana
• Lernen von Innen
• Entwicklungsetappen
• Lernen aus Sicht der Neurobiologie (Hüther, Roth)
• Geschichte des Lernens und ihre Auswirkungen auf die persönliche Lernbiografie und die ureigene Lernart, -technik und – zielerreichung

Zertifizierung

Am Ende der HerausBildung findet die ReifePrüfung als Abschlusskolloquium statt. Hier fließen Theorie und Praxis ineinander, in dem jeder/jede Teilnehmer_in eine Abschlussarbeit im Plenum präsentiert.
In dieser Abschlussarbeit sollen innere Haltung, fachliche Kompetenz und schulalltagstaugliche Anwendung erkennbar werden.
• Präsentation von eigengestalteten Materialien
• schriftliche Abschlussarbeit
• Sichtbarmachen von inneren Haltungen
• Selbsteinschätzung und Feedback
• Präsentation Portfolio der HerausBildungsjahre